DIY Festival Blog

Ich bin Ina und Teil des Vorstands vom Sonne über Berlin e.V.. In diesem Blog teile ich meine ganz persönlichen Erfahrungen darüber, was es bedeutet „nebenbei“, ohne Geld und ohne Profession ein unkommerzielles Festival auf die Beine zu stellen, wie es ist haufenweise Dinge zum ersten Mal zu tun und wie verdammt kurz ein Jahr sein kann.

Was  bisher geschah und wie ich eigentlich dazu kam:

Februar 2016: Katrin erzählt mir, dass Mell noch Leute sucht die ihr Festivaldeko basteln. GEIL! Ich liebe basteln, bauen, nähen, sägen, planen, wurschteln, Chaos machen, Ordnung schaffen und aus sehr wenig Kram doch ne ganze menge Schönes zu zaubern. Ausserdem habe ich gerade verdammt viel Zeit.

Wir sind 2 Leute und haben ein Budget von 150 € um 300 qm zu dekorieren.

August 2016: Katrin und ich erstürmen Ebay Kleinanzeigen, Hinterhöfe, Keller, Supermärkte und Euroshops um 4m hohe Blumen aus Frischhaltefolie und Reinigungs-Kleiderbügeln zu bauen, verkleistern massenhaft Pappmaché über Luftballons zu Lampenschirmen, verwüsten dabei unsere WG-Zimmer nicht nur einmal, nähen und befüllen 40 Kissen und zimmern Sitzecken aus Paletten.

 

Tipi & Klimmbimm

Wir diskutieren stundenlang über die perfekte Ausrichtung von Scheinwerfern und die gerechte Projektaufteilung von Lichterketten und trinken uns mit Mate der nahenden Insomnia entgegen. 

Liste am letzten Aufbautag
Lampenschirme kleben

6 Monate Planung, 10 Tage Bauarbeiten, viele zerrissene Budgetferne-Kassenbons, ein paar Tränen und unzählige Stresszigaretten später:

 

September 2016: Wir haben es geschafft. Unser erstes Sonne über Berlin Festival.

An den Start und über die Bühne gebracht.

Wir haben vieles richtig gemacht und vieles gar nicht.
Mell hat sich ganz allein durch über 600 Bandbewerbungen gehört, und für 20 entschieden, diese auf 4 Bühnen verteilt und Techniker überredet ihr für sehr sehr wenig Geld einen tollen Sound zu zaubern, Tilla hat auf den letzten Drücker ein Artwork aus dem Ärmel geschüttelt nachdem der Professionelle Grafiker kurz vor der Deadline abgesprungen ist und Katrin, Sen und ich haben 10 Tage lang Deko gebaut die nur 24h stand. Wir haben den Timetable nicht einhalten können und aus Kraftlosigkeit zu viel Stille zwischen den Gigs zugelassen. Wir haben unzählige tolle und auch einige anstrengende Menschen kennengelernt, als Team nichts von den Konzerten, geschweige denn der Party mitbekommen, bedeutend zu wenig geschlafen und am Ende waren wir alle zwar sehr K.O. aber auch sehr happy.

Ohne Werbung, ohne genau zu Wissen was wir tun und mit gleichzeitiger Konkurrenz des Lollapalooza-Festivals im Nacken, eine schwarze Null mit 250 zahlenden Gästen geschrieben zu haben hat uns Aufwind gegeben. Weiter gehts.

Januar 2017

 

Neues Jahr, neue Herausforderungen.

Wir gründen einen Verein.

Wer sich schonmal auf dieser Ebene der deutschen Bürokratie bewegt hat, weiß was das bedeutet. 3 Monate Wartezeit beim Finanzamt für Körperschaften absitzen, Notarkosten zusammenkratzen und sehr penible Auseinandersetzung mit Rhetorik in der Vereinssatzung, Kontoeröffnung, Vereinslogo entwerfen, Vorstände und Schatzmeister wählen, Gemeinnützigkeit begründen, über Mitgliedsbeiträge beraten und bestimmen was man mit seinen Reichtümern macht wenn man mal auseinander geht. Langwierig aber machbar.

Seit März 2017 sind wir nun ganz offiziell:
Sonne über Berlin-Verein für Kultur und Kommunikation

Klingt sperrig, doch wenn man sich einen möglichst offiziellen aber großen Wirkungskreis erhalten möchte dann sollte man sich so präzise wie nötig und so schwammig wie möglich ausdrücken.